Datum und Ort: 3.-16. August 2008 in Warszawa (PL)
Seminarleiter: Marta de Zuniga (PL), Silvena Garelova (BG), Tornike Guruli (GE), Grzegorz Nocko (PL)
Zum letzten Sommerseminar des Theodor-Heuss-Kollegs im Jahr 2008 fanden sich 17 junge Menschen aus den Laendern ostrich von Deutschland und Deutschland selbst zusammen. Gemeinsam mit ihren vier Seminarleitern sind sie wittier Fragen zu Religion und Gesellschaft nachgegangen. Dabei war Textarbeit unter den Teilnehmern zwar sehr beliebt, musste jedoch Gruppendiskussionen und -arbiter weichen. Mit viel Engagement haben die Kollegiaten ueber Themen, die Religion und Gesellschaft betreffen, gesprochen und sich dabei ihre unterschiedlichen Sichtweisen naeher gebracht. Unter anderem konnte so auch geklaert werden, dass es sich bei Pionieren in den sozialistischen Laendern nicht um eine besondere Religionsgruppe gehandelt hat.
Doch nicht nur voneinander haben die Kollegiaten viel gelernt, neue Perspektiven eroeffnetetn sich auch durch Gaeste, die am Seminar teilnahmen. Der Besuch eines Albatrossehepaares fuehrte den Teilnehmern vor Augen, was sie im Bereich interkulturelle Kommunikation noch lernen muessen und wie sie unbewusst gepraegt sind von Vorurteilen. Was die Teilnehmer im Verhalten der Albatrosse naemlich als Unterdrueckung der Frau interpretiert haben, stellte sich im Nachhinein als besondere Wuerdigung und Wertschaetzung dieser heraus.
Ein besonderer Gast war auch Augusto Boal aus Brasilien. Dieser nahm die lange Reise auf sich, um den Kollegiaten das Prinzip des Forumtheaters naeher zu bringen. Irritierend fanden die Kollegiaten bei diesem Besuch allerdings, dass Boal so ausgezeichnet Deutsch sprach und ausserdem die Kleidung eines der Seminarleiter an hatte. Anonyme Quellen beobachteten spaeter auch, dass Boal sich seinen Bart einfach vom Gesicht wischte. Weniger bezweifelt wurde das Forumtheater ans sich: in insgesamt fuenf Theaterstuecke wurde die Methode zur Konfliktloesung von den Kollegiaten umgesetzt.
In die Reihe erinnerungswuerdige Besuche fiel auch das Gespraech mit einem Theologiedozenten aus Lublin. Nach einem Vortrag ueber den Dialog der Religionen, hatten die Kollegiaten die Moeglichkeit sich mit ihm ueber dieses Thema auszutauschen. Obwohl bei der Kommunikation auf die Uebersetzungsarbeit zweier Kollegiatinnen und Seminarleiter zuruckgegriffen werden musste, gestaltete sich die Diskussion keineswegs stockend. Gegenseitiges Verstaendnis war dem Dozenten ein besonders wichtiges Anliegen. Im Seminar traf er damit auf offene Ohren, denn schon vor seinem Besuch beschaeftigte sich die Gruppe mit diesem Thema. An einem Tag war es Interessierten moeglich ihre Religion der Gruppe zu praesentieren und sich danach ihren Fragen zu stellen. Zoroatrismus und die orthodoxe Kirche sind den Zuhoerern seitdem vertrauter.
Zur Entspannung unternahm das Seminar auch einen Ausflug in die Hauptstadt, wo sie das Museum des Warschauer Aufstandes besichtigte. Auch das Museum des Schlosses in Wilano stand an einem Tag auf dem Programm. Hier lernten die Kollegiaten nicht nur viel ueber die adeligen Familien in Wilano, sondern auch Einiges zur Ausbildung von Museumsfuehrern.
Schliesslich kam es dann zur Projektarbeit. Unter dem Schlachtruf "Gesellschaftliche Relevanz" sind insgesamt elf Projektantraege entstanden. Ein Projekt wird sich in Form eines Seminars in Albanien mit dem Thema Gender beschaeftigen, eine Kollegiatin wird in Rumaenien eine Studentengruppe gruenden, welche sich mit aktuellen gesellschaftlichen Themen beschaeftigen soll und Aktionen durchfuehren moechte. Ebenfalls in Form eines Seminars wird eine russische Kollegiatin ein Seminar ueber die Problematik der Medienfreiheit in Russland abhalten. Obwohl die Teilnehmer aus vielen verschiedenen Laendern kommen und Unterschiedliches erlebt haben, haben alle elf Projektideen gemeinsam, dass in ihnen viel Arbeit, Engagement und der Willen die Gesellschaft positiv zu beeinflussen und Menschen einander naeher zu bringen, steckt. Die Verwirklichung ihrer Ideen wird sicher dazu beitragen.
Atefa Parsa
