Bericht Sommerseminar 0705:
Aktiv sein? Dein Thema

Datum: 14. - 27. Juli 2007

Seminarleiter: Petra Puhova, Agnieszka Kaminska, Dina Schreiber, Alona Karavai

Ort: Ostermiething (Österreich)

Es sah am Anfang an nach einer ganz verrückten Idee aus ? ein Seminar ohne Thema. Einfach so zusammen kommen und gemeinsam ein Thema aussuchen, dessen Aktualität und Vielseitigkeit 20 junge Menschen aus elf Ländern Europas und Mittelasiens vereinigen könnte. Einfach ? aber doch auch nicht ganz so einfach ?

Aber alles der Reihe nach. Am Anfang stand die Idee: Im Juli 2007 sollten sich die oben erwähnten 20 aktiven und kreativen Leute an einem kleinen idyllischen Ort an der österreichisch-deutschen Grenze treffen, um ganz frei und verrückt an einem Thema arbeiten, das sie sich selbst auswählen sollten. Und zwar nicht nur theoretisch arbeiten, sondern auch praktisch. Um durch eigene kleine Projekte zu lernen, wie man ein Thema ? egal welches ? nicht nur besprechen, sondern damit auch etwas machen kann. So war die Idee. Kaum zu glauben, aber so ist es auch in der Wirklichkeit passiert J

Am 15. Juli kamen wir am Nachmittag müde aber zufrieden in Ostermiething / Oberösterreich an. Kaum jemand konnte sich vorstellen, was auf ihn zukommt. Wir sahen alle so verschieden und fremd aus. Aber eine Gemeinsamkeit kam schon bei der Abfrage unserer Erwartungen ans Licht: Weg von der Uni, wir möchten keine Theorie und keine endlosen Diskussionen, die zu nichts führen. Wir wollen was PRAKTISCHES machen! Was und wie war uns aber nicht klar.

Schon am nächsten Morgen wurde es heftig. Wir lernten aufs Neue sehen, hören und tasten, versuchten dabei unsere Sinne zu schärfen um das wahrzunehmen, was unsehbar direkt vor unserer Nase ist. Wir sind zusammen auf einem Wunderteppich geflogen, sind gemeinsam vor Krokodilen geflohen, haben uns durch ein gefährliches Spinnennetz durchgeschlängelt ? Langsam bekamen wir das Gefühl, dass es nichts gibt, was wir zusammen nicht schaffen könnten ... Und dann kam die Themenwahl. Nachdem wir schon zwei Stunden diskutiert hatten und es immer um ein und dasselbe zu gehen schien, sagte jemand von uns, was wohl alle schon dachten: ?Demokratie ist ja aber gar nicht so leicht!? Nach noch einer Stunde, etlichen Kompromissen und ein paar Abstimmungen hatten wir das aber im Griff: ?Gleichgültigkeit, und Nachhaltigkeit als eine ihrer Lösungen? ? so schön kompliziert und umfassend haben wir den Bereich unserer gemeinsamen Interessen definiert. Huh, müde, müde, müde, und wahnsinnig zufrieden hatten wir uns wirklich den Feierabend verdient. 

Es kam aber noch heftiger. Wir haben die Bereiche definiert, wo uns Gleichgültigkeit begegnet, und versuchten herauszufinden, welche davon länderspezifisch und welche global sind. Als fleißige analytisch denkende ?Archivarfische? und aktive ideenreiche ?Beraterfische? haben wir nach Lösungen gesucht. Sogar die von uns, die niemals näher als fünf Meter von der Bühne entfernt gestanden haben, haben gerne Forumtheater gespielt, vorgeschlagen, korrigiert und wieder gespielt. Wir haben mit den Gründern unseres ungewöhnlichen schönen Seminarhauses zeitraum (http://www.szz.at) über Nachhaltigkeit ausgetauscht, die für sie alltägliche Sorge und Tat ist. ?Müde, aber zufrieden in den Feierabend? wurde für uns zum Motto eines jeden Tages.

Und irgendwie wurde es noch mal heftiger. Nach den intensiven Kraft-Workshops ?Kraft der Schablonen?, ?Kraft der Demo? und ?Kraft des Theaters? gingen wir in das lang erwartete selbständige PRAKTISCHE. Bewaffnet mit den Karten der Gegend, einem Laptop mit Internetzugang und einer ganzen Menge von Ideen haben wir unsere eigene Kleinprojekte zum Thema ?Gleichgültigkeit? konzipiert, durchgerechnet und realisiert. Jemand trampte zur nächsten mehr oder weniger großen Stadt, um den Kindern und Erwachsenen mit Spielen und Luftballons eine Freude zu machen. Jemand brachte die ganze Gegend mit ?Denk-Anstoß-Zettelchen? zu wichtigen Gedanken. Jemand veranstaltete für die Einheimischen am Strand ein Osteuropa-Quiz mit tollen kleinen Belohnungen. Jemand befragte kroatische ImmigrantInnen und ÖsterreicherInnen über Integration der AusländerInnen und verfasste darüber einen tollen Artikel. Jemand hat einfach eine märchenhafte Beglückungsaktion für uns selber organisiert ? Jedenfalls hat es uns ? und hoffentlich auch unserer Zielauditorium ? sehr viel Spaß gemacht.

Am Ende war es dann so richtig heftig. Vielleicht weil es am ernstesten und am nachhaltigsten war ? es ging ja darum, was wir zu Hause während des kommenden Jahres selber machen können und möchen. ?Ich habe seit langen nicht mehr so viel nachgedacht!? ? wieder eine Zitate aus unserem Kreis, dem sich wohl jede und jeder anschließen kann ? Und wir haben gut gearbeitet, mit einem beeindruckenden Ergebnis: 17 spannende, verrückten Ideen ? darunter auch die von einem Seminar ohne Thema ? Jetzt sind wir gespannt, was daraus wird.