Das Heuss-Kolleg arbeitet mit jungen Menschen aus über 20 Ländern zusammen. Sie kommen aus den Ländern Mittel-, Ost- und Südosteuropas, aus den GUS-Staaten und dem deutschsprachigen Raum. Jährlich werden 100 Kollegiaten ins Kolleg aufgenommen und zu internationalen Sommerseminaren eingeladen. Die internationale Mischung der Teilnehmer führt mit sich, dass unterschiedliche Vorstellungen von Engagement und Gesellschaft nebeneinander stehen und einen Anlass zur lebendigen Diskussion bieten. Daneben führen auch unterschiedliche Motivationen die Stipendiaten in das Heuss-Kolleg. Die einen bewerben sich wegen der Themen der Sommerseminare, andere haben ein Interesse daran, neben dem Studium auch etwas Praktisches zu machen oder haben bereits erste Erfahrungen in der ehrenamtlichen Arbeit gesammelt.
Diese Motivationen stehen gleichberechtigt nebeneinander. Was alle Stipendiaten jedoch gemeinsam haben, ist zum einen der Wille und zum anderen die Lust zur Veränderung. Engagement braucht dabei beides: Kopf und Herz. Zwar ist es denkbar, ein Projekt ohne die innere Überzeugung des Herzens durchzuführen, etwa weil man dafür bezahlt oder es verlangt wird. Gerade in der ehrenamtlichen Arbeit wird sich jedoch schnell eine Ermüdung einstellen, weil man weder auf schnelle Belohnung hoffen, noch andere für das Projektziel einnehmen kann. Doch auch diejenigen, die in ihrem Idealismus sowohl ihre Kräfte als auch Kompetenzen überschätzen, werden schnell unzufrieden sein, sich falsch verstanden fühlen und möglicherweise die Konsequenz ziehen, sich in Zukunft nie wieder zu engagieren.
Das zentrale Förderprinzip des Heuss-Kollegs ist deshalb, die Stipendiaten in ihrer Motivation zu unterstützen. Über die Methode der Projektarbeit wird ergänzend ein Rahmen geschaffen, in dem Kopf und Enthusiasmus nicht im Widerspruch zueinander stehen.
Die konkreten Förderinstrumente des Kollegs sind ideeller und materieller Natur. Eine ideelle Unterstützung erfolgt durch die Investition in Leidenschaft und die Bestärkung der Stipendiaten, dass ihr Engagement sinnvoll ist ? gerade in Umgebungen, in denen eigene Initiative misstrauisch und mit Vorurteilen betrachtet wird, ist dies wichtig, aber auch, wenn unvorhergesehene Schwierigkeiten auftreten. Die Unterstützung geschieht unter anderem durch Projektmentoren oder die persönliche Projektbetreuung durch die Programmkoordinatoren beziehungsweise erfahrene Seminarleiter. Finanziell fördert das Kolleg die ehrenamtlichen Projekte (Projektförderung) und die von vornherein langfristig angelegte Einbindung seiner Stipendiaten in ein Netzwerk (Personenförderung). Während die einzelnen Projekte der Heuss-Kollegiaten vom finanziellen Umfang her relativ knapp kalkuliert werden und konsequent auf das Low-Budget-Prinzip ausgerichtet sind, wird schwerpunktmäßig in die Verknüpfung, Weiterbildung und den Austausch der Stipendiaten investiert.
Zwei Förderprinzipien ergänzen sich somit: Die persönliche Förderung im Sinne der systematischen Erweiterung von Kommunikations- und Aktionsmöglichkeiten mit der sachlichen Förderung eines eigenen Projekts.
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